Musiktheater über die (Un)Möglichkeit des Alleinseins nach Jacques Offenbachs Robinson Crusoé
Regie: Georg Schütky
Musikalische Leitung: Max Andrzejewski
Bühne und Kostüm: Helene Payrhuber und Sophia Profanter
Dramaturgie: Maria Buzhor
Robinson Crusoe ist ein Schiffbrüchiger, Überlebenskünstler und Poet der Einsamkeit. Das könnte eine gute Geschichte werden – bloß, dass es Robinson nie recht gelingt, sich in Ruhe zurückzuziehen. Immer sind da die Anderen: Piraten, Kannibalen, seine Verlobte. Und natürlich ist da auch Inselbewohner Freitag, der in seinem unnachgiebigen Anderssein Robinsons Privileg des Alleinseins in Frage stellt. Denn Freitag weiß: Keiner ist eine Insel.
Jacques Offenbachs Operette Robinson Crusoé (1867) ist anders als Daniel Defoes Romanvorlage nicht nur ein koloniales Aben-teuer, sondern auch ein satirischer Blick auf die eigene Gesellschaft. Gemeint ist auch die feine Gesellschaft von Baden-Baden, denn Offenbach war in der damaligen Kur- und „Sommerhaupt-stadt Europas“ ein häufiger Gast. Zwei Jahre nach Robinson Crusoé dirigierte er selbst die Uraufführung seiner Operette La Princesse de Trebizonde am Baden-Badener Theater.
Regisseur Georg Schütky eröffnet mit LIVING ALONE / VIVRE SEUL die partizipative Sparte EUROPOLIS, bei dem die Grenzen zwischen Theater und Stadtgesellschaft neu definiert werden. Mit einem Team aus Profis und Laien entsteht eine abgründige musikalische Komödie übers Alleinsein und den Wert der Gemeinschaft. In einem Castingaufruf werden zehn Menschen aus Baden-Baden und Umgebung als Mitwirkende gesucht. Komponist Max Andrzejewski arrangiert die Partitur für ein deutsch-französisches Ensemble und ergänzt sie mit historischen Vinyl-Aufnahmen, die live gemischt und verfremdet werden.