Es ist Gerichtstag im beschaulichen Huisum. Richter Adam hat Kopfschmerzen; Frau Marthe Rull einen zerbrochenen Krug und eine hübsche Tochter mit nächtlichen Verehrern. Was ist geschehen? Rull beschuldigt den Verlobten ihrer Tochter Eve erotischer Ambitionen und des daraus resultierenden Porzellan-Vandalismus, doch der beteuert seine Unschuld. Vielmehr sei ein anderer, ein mysteriöser Fremder, mit erotischen Ambitionen bei Eve gewesen und habe beim fluchtartigen Verlassen des Hauses den Krug zerbrochen. Eve hingegen ist überraschend still. Da riecht Gerichtsschreiber Licht Lunte: Wieso ist Richter Adams Kopf bandagiert? Und wo ist eigentlich seine richterliche Perücke? Richter Adam dreht und windet sich, schwitzt, hat für alles eine Erklärung oder eine Drohung parat. Doch ein unangenehmer Verdacht verdichtet sich immer mehr …
Kleist verhandelt mit dem ihm eigenen Gespür für Witz und Sprache den Missbrauch von Macht und Justiz, die Auswüchse des Patriarchats und gesellschaftliche Abgründe. Alles saftig verpackt in die Absurdität eines Prozesses, bei dem der Richter selbst der Schuldige ist.